Abstrakt eines Vortrags von Hans Eckert auf dem 13. Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium des Verbandes der Rentenversicherungsträger, VdR, vom 08. - 10.03.2004 in Düsseldorf:

Rehawissenschaftliches Kolloquium Deckblatt

 

Verbundzertifizierung – ein effizienter Weg zu spürbaren Qualitätsverbesserungen

Eckert, H., Resch, K.L.

Forschungsinstitut für Balneologie und Kurortwissenschaft, Bad Elster

 

Hintergrund

Die gesetzliche Forderung nach Einführung eines Qualitätsmanagementsystems in stationären Einrichtungen des Gesundheitswesens wird bereits von großen Kliniken und Klinikkonzernen weitgehend erfolgreich umgesetzt (Eckert, 2001). Ein Qualitätsmanagementsystem bietet aber auch mittleren und kleinen Anbietern stationärer Vorsorge- und Rehabilitationsleistungen (Vollmer et al., 2003) enorme Potentiale zur Organisationsentwicklung und Verbesserung. Allerdings benötigt die Einführung eines Qualitätsmanagementsystems Investitionskosten in hohem Maße, die von mittleren und kleinen Anbietern nicht geleistet werden können.

 

Fragestellung

Ziel des vorgestellten Projektes war die Entwicklung eines finanzierbaren QM-Konzeptes für mittlere und kleine Gesundheitsdienstleister. Das Konzept musste relevante Qualitätsverbesserungen für die Betriebe realisieren und gleichzeitig die Beratungs- und Zertifizierungskosten wie auch den internen Ressourcenverbrauch möglichst gering halten.

 

Methoden

Folgenden Rahmenbedingungen wurden vorgegeben:

  • - Zertifizierbarkeit nach DIN EN ISO 9001
  • - Arbeitsteilige Vorgehensweise
  • - Maximal 12 Beratertage
  • - Kosten maximal 6000 € je Betrieb (incl. Zertifizierung)

Mit fünf Mitgliedskliniken im VdKB³ wurde ein Qualitätsmanagement-Verbund gegründet, der ein gemeinsames Qualitätsmanagementsystem betreibt und ein zentrales ISO 9001 Zertifikat hält. Voraussetzung für eine Verbundzertifizierung ist, dass die sich verbindenden Unternehmen entweder einer gemeinsamen Zentrale (Konzern) angehören oder ähnliche beziehungsweise vergleichbare Produkte / Dienstleistungen anbieten. Im Zertifizierungsverfahren werden die verbundenen Betriebe wie ein Unternehmen gehandhabt.

In gemeinsamen Arbeitskreisen legten die Kliniken idealtypischerweise stattfindende Prozesse fest, identifizierten den Betrieb mit dem jeweiligen „best practice“ Prozess und dieser definierte seinen Prozessablauf idealtypisch als Mindeststandard. Dabei wurde Wert darauf gelegt, die jeweiligen Spezialqualifikationen der Beteiligten synergetisch für alle Betriebe zu nutzen (z.B. EDV). Dieser „best practice“ Standard musste nun von allen Betrieben den eigenen Strukturen angepasst, erfüllt, besser noch übertroffen werden.

Dies impliziert auch, dass jeder Betrieb Bereiche identifizierte, in denen entsprechende Qualitätsverbesserungen eingeleitet werden mussten, so dass zum Ende alle Betriebe ein annähernd identisches Qualitätsniveau erreicht hatten, ohne ihren individuellen Charakter zu verlieren.

 

Ergebnisse

Das Konzept wurde in einer Pilotphase erfolgreicht eingeführt, auf seine Praxistauglichkeit getestet und zertifiziert.

Im VdKB-Qualitätsmanagement-Verbund können die verbundenen Betriebe eigenständige Unternehmen sein – maßgeblich ist, den Qualitätsmanagement-bezogenen Durchgriff durch eine Zentrale auf alle Niederlassungen praktisch und juristisch sicherzustellen. Dies wird durch ein gewähltes Lenkungsgremium gewährleistet, welches auch die oberste Kontroll- und Entscheidungsinstanz des Verbundes darstellt.

Die verbundenen Unternehmen orientieren sich an einer für alle geltenden Qualitätspolitik und gemeinsamen Qualitätszielen, die in einer zentralen Qualitätsmanagement-Dokumentation beschrieben sind. Dabei sind lokale Verfahrens- und Arbeitsanweisungen notwendig und erwünscht, aber dem zentralen Qualitätsmanagementsystem untergeordnet und ergänzen dieses (TÜV, 2002).

Eine Qualitätsmanagement-Zentrale und ein zentraler qualitätsmanagement-Beauftragter stellen die Verbundleitung dar. Die Aufgaben der Zentrale umfassen

  • -die Festlegung der verbundweiten Qualitätspolitik,
  • -die Überwachung des gesamten  Qualitätsmanagementsystem,
  • -die Durchführung und Steuerung der jährlichen internen Audits in allen Niederlassungen, und
  • -die Durchführung eines zentralen Managementreviews (TÜV, 2002).

Bei den jährlichen externen Audits wird grundsätzlich die Zentrale und eine nach definierten Kriterien gezogene Stichprobe der Verbundbetriebe auditiert. Die Praxis der externen Auditierung trägt entscheidend dazu bei, die Kosten des Systems niedrig zu halten, setzt aber engmaschig durchgeführte interne Audits durch unabhängige Auditoren voraus. Die umfassende interne Auditierung ist im besten Interesse aller beteiligten Betriebe, da schwerwiegende Abweichungen in einem Betrieb bis zum Zertifikatsentzug im gesamten Verbund führen können.

 

Schlussfolgerungen und Ausblick

Das hier vorgestellte, bedarfsgerecht entwickelte QM-Verbundsystem hat sich als kostengünstige Lösungen für kleine und mittlere Betriebe erwiesen, die ähnliche oder gleiche Leistungen anbieten. Wesentliche Voraussetzungen zum erfolgreichen Verbundaufbau sind dabei Offenheit unter den Betrieben, die Bereitschaft voneinander zu lernen, aber auch eigene Spitzenlösungen anderen Betrieben zur Verfügung zu stellen.

Es lassen sich beim Aufbau und der Zertifizierung eines Qualitätsmanagement-Verbundes Kosten einsparen. Allerdings setzt das Management des laufenden Verbundes eine effektive und effiziente Logistik voraus.

Der gemeinsame Qualitätsschub und die entstehenden Synergieeffekte für alle beteiligten Betriebe stellen den eigentlichen Gewinn im vorgestellten QM-Verbundsystem dar.

 

Literatur

Eckert, H. (2001): Qualitätsmanagement in Rehabilitationskliniken in der Bundesrepublik Deutschland – Eine stratifizierte repräsentative Studie zum Umsetzungsstand. Die Rehabilitation, 40, 337-345.

Vollmer, R., Vollmer, P. (2003): VRE Handbuch der Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen in der Bundesrepublik Deutschland. Bd 1-3. Remagen, AOK-Verlag, (Update).

Zertifizierstelle der TÜV Management Service (2002): News – Aktuelle Informationen von TÜV Management Service. Unternehmensgruppe TÜV Süddeutschland. Ausgabe 1.

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³ Verband der Kurbeherbergungsbetriebe Deutschlands e.V., Sitz: Bad Wörishofen

 

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